Der Game of Thrones Effekt

Der Game of Thrones Effekt

Ich lese Fantasy. Viel davon. Ich liebe es, in fremde Welten einzutauchen.  Liebe es das unmögliche zu lesen. Fantasyländer zu bereisen und mit den Protagonisten die abenteuerlichsten Quest zu erfüllen.

Doch in den letzten Jahren wurde die Fantasy düsterer.

Ich erinnere mich noch gut an Reihen wie „Die Belgariad Saga“ von David Eddings, „Das Schwert der Warheit“ von Tad Williams. Bücher die Geschrieben sind wie „Der Name des Windes.“ Ein ziemlich aktuelles Buch, das diesem Chema noch folgt. Bücher in denen die Bösen ein Ziel hatten, einen Grund. Geschichten die zwar aus der Sicht des Helden erzählt wurden, aber eben zumindest erahnen ließ, warum der Antagonist so handelte.  Dem ganzen einen Sinn gaben.

Dann kam der Umbruch. Dann kam George Martin. Ein wirklich guter Schriftsteller, der eine Welt mit kompliziertem Adelssystem erschuf. Eine Welt mit Göttern, Intrigen und Drachen.  Ein Buch voller Gewalt und Sex.

Spätestens seit der Verfilmung in der Serie ist diese Reihe in aller Munde. Jeder will wissen, wer denn nun zum Schluss den „Eisernen Thron“ besteigt.  Der Weg zum Thron führt über allerlei Intrigen, Betten und Gewalt. Scheinbar leidenschaftslos werden Hauptcharaktere Geköpft, Jungfrauen vergewaltigt und Menschen gehäutet. Der einzige, der sicher ist, ist der Autor selbst, denn sogar der Tod will herausfinden, wie die Geschichte weiter geht.

War das das Geheimrezept? Wollten die Menschen einfach nur Blut und Sex? Misshandlung und Grausamkeiten, versteckt unter dem Deckmantel ein Fantasy Roman zu sein?

Ich weiß nicht, was danach passiert ist. Haben die Autoren sich endlich getraut ihre dunklen Fantasien nieder zuschreiben, oder wollten sie einfach nur auf den Zug aufspringen?

Es dauert nicht lange, bis dieses Konzept zum Standard wird. Die Antagonisten haben kein Ziel mehr vor Augen, sie handeln einfach nur, weil sie Spaß am Schmerz und dem Leid anderer haben. Siehe die Nachtengel Trilogie, in der gleich zu Anfang Kinder misshandelt werden, geschlagen und vergewaltigt. Einem Mädchen wird das Gesicht zerschnitten, nur weil es machbar ist. Der einmarschierende Herrscher hält sich einen ganzen Harem von Frauen nur dafür, dass er sie in den Wahnsinn und dann in den Selbstmord treiben kann? Ist es dass, was George Martin in seinen Büchern aussagt? Je blutiger desto besser? Leser Schocken um jeden Preis?  Oder wie ist es mit „Schwarzer Horizont“ In der die Protagonistin sage und schreibe 4 Mal der „Entjungferung“ entgeht, vorausgesetzt man zählt den Drogenrauschsex nicht mit, den sie eine Woche lang in einem Bordell mit einer Frau hat? 4 Mal in einem Buch mit 400 Seiten? Und dann? Sie wird verkauft an einen Mann dessen einzige Daseinsberechtigung im Buch ist, dass er Jungfrauen ausbluten lässt um sie auszustopfen, damit er sie auf ein sich ständig drehendes Karussell stellen kann, als wären sie Puppen. Die Hauptcharaktere in dem Buch sind so dünn wie ein Blatt Papier, es gibt nichts über sie zu sagen, denn davon abgesehen, dass die meisten ohnehin nicht selbst entscheiden, was sie da tun scheint auch der Hintergrund zu ihnen total unwichtig zu sein.

Eine Gewaltüberflutung, die nicht mal mehr Schockt.  Immerhin ist es gang und gebe Menschen von den Straßen zu entführen um diese zu verspeisen. Wobei dieses Element das einzige Sinnvolle in dem Buch ist, denn immerhin sind die Lebensmittel sehr knapp und jeder muss essen.

Nein, diese Gewaltexzesse schocken nicht mehr, sie nerven nur noch.

Ich sehne mich zurück nach Helden mit ehrenhaften Quests, die Prinzessinnen retten und nicht vergewaltigen nur damit der Leser geschockt wissen will, was der Autor denn noch alles auf Lager hat. Ist es denn heutzutage so schwer eine Geschichte zu schreiben, die sich selbst trägt ohne in jedem Kapitel, Gemetzel oder Folter beschrieben werden? Muss ich wirklich alle paar Seiten von Vergewaltigungen oder ähnlichem lesen?

Liebe Autoren, es geht auch anders.

Vor allem, da ein Großteil der Gewalt in Game of Thrones sich aus der Handlung ergibt und eben nicht „einfach nur da“ ist. Denn ich denke das ist das Geheimnis. Der Leser will nicht Blut und Gewalt lesen. Der Leser will lesen, dass die Charaktere sich mit den Folgen ihres Handels auseinandersetzen müssen. Wenn ihr also schon George Martin hinterhereifert, macht es richtig. Denn seine Geschichte hat tiefe, seine Protagonisten sind Farbenfroh und jeder hat seine Vergangenheit. Seine Welt wurde nicht mal eben hingerotzt. Denn genau das ist es, was im Fantasy Bereich immer mehr vorkommt.

Ich bin für mehr Handlung in Pornos und weniger erzwungene Gewalt im Fantasy Bereich. Ernsthaft manches ist doch einfach nur noch ekelhaft!

12 Kommentare


  1. Danke für diesen sehr guten Beitrag.
    Du hast absolut recht. Alles muss sich in die Handlung einfügen und sinnvoll sein, sonst wirkt die Geschichte aufgesetzt und nichtssagend.

    Lg
    Eva

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    1. Danke für diese Bestätigung, ich hatte zwischenzeitlich schon angst, dass ich einfach zu zimperlich geworden bin.

      Lg
      Kani

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  2. Huhu!

    Ich bin noch im zweiten englischen Band von „Game of Thrones“, also erst etwa beim dritten deutschen. Da ich so gut wie kein Fernsehen schaue, kenne ich von der Serie auch nur eine einzige Folge. Ich muss sagen, ich war von der Welt, die George RR Martin erschaffen hat, unheimlich beeindruckt, und in meinen Augen braucht diese Welt nicht unbedingt viel Sex und Gewalt, aber es stört mich auch nicht, da es in meinen Augen bisher nicht zum Selbstzweck wird. Wie du schon sagst, sie ist nicht einfach nur da, sondern hat wirklich einen Sinn in der Handlung.

    Bücher, die man im englischen „torture porn“, also „Folterporno“ nennen würde, mag ich überhaupt nicht. Meist finde ich es unnötig und irgendwie langweilig, weil darüber die eigentliche Handlung auf der Strecke bleibt.

    Die Nachtengel-Trilogie kenne ich gar nicht, und es klingt auch nicht so, als wollte ich das… Auch „Schwarzer Horizont“ kommt mal auf die „Brauch ich nicht!!“-Liste-

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Ich liebe die Game of Thrones Bände, ich hoffe auch, dass der letzte nun wirklich bald erscheinen wird. Bei der Serie gab es den ein oder anderen Moment in dem ich wegschalten musste, zu erwähnen welche würde dich spoilern und das wäre ja so gar nicht fair. 🙂 George Martin hat irgendwann einmal gesagt, dass er seine Charaktere nicht willkürlich tötet. Sie sterben an den Entscheidungen, die sie getroffen haben. Es stört auch nicht, das es eine „harte“ Welt ist, sie ist so wie man sich eine mittelalterliche Welt gut vorstellen kann. Er hat eine sehr gute Balance gefunden von der sich viele eine Scheibe abscheiden könnten. Leider schneiden sie sich jedoch nicht vom Gesamtkonzept etwas ab sondern nur von einem Teil davon.

      Ich danke dir für die Verlinkung in der Kreuzfahrt. Eine sehr schöne Idee, die ich mir gerne klauen würde wenn ich darf.

      LG
      Kani

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  3. Ich lese eigentlich so gut wie gar keine Fantasy, aber die Entwicklung, die Du beschreibst, kenne ich von Krimis und Thrillern ganz genauso. Von Ermittlerkrimis, bei denen man als Leser auch die Indizien werten und die Schlüsse aus Verhören selbst ziehen kann, geht der Trend schon einige Jahre hin zu blutigen Schlachtfesten immer abgedrehterer und perverserer Täter. Ich bin nicht unbedingt empflindlich, aber wenn man schon die Zähne zusammenbeißen muss, um durchzuhalten, dann fehlt mir wirklich der Spaß an der Sache. Deinen Appell kann ich also auch auf dieses Genre ausweiten und unterschreibe ihn voll und ganz!

    LG Gabi

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    1. Hallo Gabi,
      in die Krimi und Thriller Welt tauch ich so selten ein, dass es sich fast gar nicht lohnt dies zu erwähnen. Ich freue mich wirklich, dass ich nicht die einzige bin, der es mit dieser Entwicklung so geht und hoffe, dass es sich bald wieder zurück zum ursprünglichen Lesespaß entwickelt.

      LG Kani

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  4. Hallo,

    Ich habe mit großem Interesse diesen Beitrag gelesen, da mir diese Entwicklung nicht bewusst geworden ist. Ich kenne keines deiner genannten Bücher, obwohl ich sehr gerne Fantasy lese. „Game of Thrones“ subbt bei mir noch auf englisch als auch auf deutsch. Die Serie kenne ich auch nicht. Will erst die Bücher lesen, dann gucken.

    Ich liebe z.b. Die Elfen- und die Drachenelfen-Reihe von Bernhard Hennen. Die Elvion-Reihe von Sabrina Qunaj ist auch eine meiner Lieblingsreihen im Bereich Elfen-Fantasy. Eine sehr humorvolle Reihe mit viel Wortwitz und schönen Abenteuern ist die Krosann-Saga von Sam Feuerbach. Die habe ich gehört, gibt es aber auch als TB. Hin und wieder gibt es da auch Gewalt aber das fand ich im Zusammenhang der Story in Ordnung und nicht übertrieben. Kennst du die von mir genannten Bücher? Ich jedenfalls kann sie absolut weiter empfehlen.

    Fantasy ist aber auch so ein breites Gefilde! Ich lese weniger erotische oder Liebes-Fantasy. Nach deinen genannten Büchern werde ich aber mal suchen, um mir nen Überblick zu verschaffen.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenend,
    GlG vom monerl
    #litnetzwerk

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  5. Also erst Mal kurz was anderes: Ich find deine Aufmachung hier recht interessant. Kleine kurze Beiträge, die deine Stimmung widerspiegeln. Das sticht auf jeden Fall hervor!

    Nun zu dem Beitrag:
    Ich stimme dir voll zu! Ähnliches ergibt sich im Thriller/Krimi Genre. Ist ein Auto mit einer gewissen Stilart erfolgreich kopieren es viele und man hat das Gefühl einen Einheitsbrei zu lesen. Eben weil es nicht besonderes ist und wie zwanghaft eingebaut wirkt.
    Gewalt ist möglich und kommt im Leben vor, aber man muss es nicht so übertreiben, dass man schön innerlich gähnt, sobald man sie in einem Kapitel entdeckt. Inhalt und Logik sollten passen 😛

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